Geschichte und Entstehung - von damals bis heute

Die genaue Geschichte des Stucco Veneziano ist weitgehend unbekannt. Bis heute weiss man sehr wenig über die Entstehung und die ersten Versuche mit dieser einmaligen Glätte-Technik.  Im Grossraum Venedig entdeckten Bauarbeiter während einer Gebäudesanierung vor ungefähr 100 Jahren diverse Wand- und Deckengestaltungen, die gegen 300 Jahre alt sein mussten. Und das bei einer „Putzschicht“ von weniger als 3 mm. Sie befanden sich also schon seit dem 17. oder 18. Jahrhundert auf den Wänden und waren in einwandfreiem Zustand. Es wurden Varianten mit und ohne Marmormehle gefunden, Hauptbestandteil war jedoch gebrannter und gelöschter Sumpfkalk - ein Element, das bis heute so geblieben ist. Schon damals wurden kalkfeste Farben mit Marmormehlen zur optischen Verschönerung verwendet. Kalk war auch zu dieser Zeit kein neuer Werkstoff, man verarbeitete ihn bei älteren Fresken oder verwendete ihn für das damals beliebte „Stucco lustro“. Heute ist man sich einig, dass der Fund dieser Verputze als Grundlage der heutigen Verwendung gilt. Stucco Veneziano war wieder entdeckt und gerade in der heutigen Zeit erlebt diese Glättetechnik eine wahre Renaissance. Seitdem haben sich einige Produzenten auf die Herstellung dieser speziellen Materialen spezialisiert. So zum Beispiel Giorgio Graesan aus Mailand.

 

Die Technik, die das Auftragen erfordert, ist hochkomplex und nur wenige beherrschen dieses Handwerk. Die gestalterische Freiheit ist dank der der extrem dünnen Putzschicht fast grenzenlos, und genau darum ist Stucco Veneziano jedes Mal wenn es angewendet wird einmalig. Es überzeugt durch seinen zeitlosen, langlebigen Charakter und die endlosen Möglichkeiten in der Anwendung. 

 

Durch die extrem dünne Schicht ist Stucco Veneziano im ganzen Raum einsetzbar und kann auch da angewendet werden, wo andere Putze zu dick sind – also auch an Decken und Überhängen, sogar Türen und Kasten. Mit ausreichend Zeit und Luft verhärtet das Material nach der Aufbringung noch zusätzlich und gibt ihm damit optimale Voraussetzung für eine lange Lebensdauer.

 

Noch Anfang der 90er Jahre war Stucco Veneziano in der Schweiz nicht bekannt. Meistens wird das Ergebnis für Marmor gehalten. Selbst in Italien hatte sich diese exklusive Wandbeschichtung nicht weit durchgesetzt, vom Stuckateur bis zum Kunstmaler kannten höchstens ausgewiesene Fachleute Stucco Veneziano. Durch die wechselvolle politische Geschichte der Region Venedig konnte sich das Wissen um Stucco Veneziano nicht sonderlich weit verbreiten. Bis heute handelt es sich daher um einen exklusiven, seltenen Wandputz, der mit Sicherheit das Besondere jeder Wand unterstreicht. Die wahren Vorteile sind erst heute richtig bekannt.

Raffaele Candiloro

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